Montagsimpuls

09.02.2025

Den richtigen Zeitpunkt erkennen




„Kairos ist die Fähigkeit, den rechten Augenblick zu erkennen und zu ergreifen.“





Was versteht man unter dem "Kairos"?



Kennen Sie das? Sie denken: „Ich müsste endlich mal wieder eine Ecke in der Wohnung aufräumen.“ Doch Sie können sich lange Zeit nicht aufraffen. Eines Tages spüren Sie plötzlich einen inneren Impuls – und räumen auf. Am Ende denken Sie sich: „Das war gar nicht so schlimm, wie ich befürchtet hatte …“ Es brauchte eben den richtigen Zeitpunkt.

In diesem Fall spricht man von Kairos. Kairos ist ein Begriff aus der antiken griechischen Philosophie und bezeichnet den richtigen, günstigen oder entscheidenden Moment. Es gibt eben auch falsche Momente, in denen man sich vergeblich abmüht, ohne ans Ziel zu gelangen.
Im Alltag begegnet uns der Kairos häufiger, als wir denken – wenn wir darauf achten:

  • Ich suche mit jemandem ein klärendes Gespräch, und plötzlich ergibt sich die passende Gelegenheit.
  • Ich habe eine Idee, für die ich mich lange vergeblich einsetze. Dann verändert sich etwas im Umfeld – und auf einmal findet mein Vorschlag Gehör.
  • Ich pflücke eine Himbeere – sie schmeckt herrlich süß und zergeht auf der Zunge.
Diese Beispiele zeigen: Für vieles gibt es den richtigen Zeitpunkt. Doch den Kairos kann man nicht machen. Letztlich ist er ein Geschenk. Man kann zwar die Voraussetzungen für ihn schaffen – doch am Ende geht es vor allem darum, ihn zu erkennen und für sich zu nutzen.


Dazu eine Geschichte: Der Junge und der Fluss



Ein Junge versucht, einen großen Fluss zu überqueren, doch die Strömung ist zu stark. Ein alter Mann beobachtet ihn und sagt: „Warte, bis die Flut nachlässt. Es gibt einen Moment, in dem der Fluss ruhiger wird.“
Der Junge hört auf den Mann, wartet geduldig und überquert den Fluss sicher, als der Moment kommt. Der Alte lächelt und sagt: „Geduld und Beobachtung bringen dich sicher ans andere Ufer.“ (Indische Tradition)




Wie wir den Kairos erkennen und nutzen können



Wenn wir auf die Geschichte blicken, steht der Fluss symbolisch für die Herausforderungen des Lebens. Was kann uns die Geschichte lehren?

1. Geduld als Stärke
Der Junge erkennt, dass er mit Geduld weiterkommt, als wenn er unüberlegt handelt. Manchmal ist es notwendig, innezuhalten und abzuwarten, wenn wir spüren, dass wir in einer Situation nicht vorankommen – und mal wieder mit dem Kopf durch die Wand wollen. In solchen Momenten brauchen wir Vertrauen darauf, dass sich die Strömung irgendwann von selbst beruhigt.

2. Den richtigen Moment erkennen und nutzen
Der alte Mann lehrt den Jungen, die Strömung genau zu beobachten, um den Kairos zu erkennen. Auch im Leben gibt es Zeichen und Hinweise, die uns den richtigen Zeitpunkt für eine Entscheidung oder Handlung zeigen. Wir dürfen sogar darum bitten, dass dieser Moment kommt, dass wir ihn erkennen – und dann auch den Mut haben, ihn zu nutzen.

Den Kairos zu nutzen ist also ein Übungsweg. Und natürlich kann es auch mal vorkommen, dass wir uns sagen: „Ich habe den perfekten Moment zwar kommen sehen … und dann vorbeiziehen lassen. Jetzt winkt er mir aus der Ferne zu.“
Tja, so ischs Leben … 😉



Abschließend eine Übung: Den Kairos würdigen



Sie können sich am Ende dieses Tages einen Moment Zeit nehmen, um sich die Kairos-Momente im Tagesverlauf nochmals zu vergegenwärtigen und diese zu würdigen. Vielleicht möchten Sie für diese Momente innerlich „Danke!“ sagen oder einfach anerkennen, dass das Leben manchmal genau weiß, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist.





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